
Das SVR-Integrationsbarometer 2024 bildet das Integrationsklima in der Einwanderungsgesellschaft ab und erhebt Einschätzungen und Einstellungen zu integrations- und migrationsspezifischen Themen. Die fünfte bundesweite Erhebung mit über 15.000 Befragten ist sowohl auf Bundesebene als auch auf Länderebene repräsentativ für die Bevölkerung mit und ohne Migrationshintergrund, auf Bundesebene auch für die verschiedenen Herkunftsgruppen
Das SVR-Integrationsbarometer 2024 ein differenziertes Bild des aktuellem Integrationsklimas in Deutschland. Der Integrationsklima-Index (IKI) liegt mit 66,3 Punkten weiterhin im positiven Bereich, ist jedoch im Vergleich zur letzten Erhebung um 2,2 Punkte gesunken. Während Menschen mit Migrationshintergrund das Integrationsklima nahezu unverändert bei 70,3 Punkten bewerten, ist die Wahrnehmung unter Befragten ohne Migrationshintergrund skeptischer geworden (–3,2 Punkte auf 64,9).
Herausforderungen in Bildung und Nachbarschaft
Die Verschlechterung wird vor allem durch negative Einschätzungen der Bereiche Bildung (–5,4 Punkte auf 55,1) und Nachbarschaft (–4,7 Punkte auf 61,7) geprägt. Zugleich bleibt die Bereitschaft, Schutzsuchenden Asyl zu gewähren, insbesondere bei Flucht vor politischer Verfolgung oder Krieg, hoch. Dennoch sieht ein Drittel der Befragten Geflüchtete zunehmend als Bedrohung für den Wohlstand. Diese Wahrnehmung ist sowohl in West- als auch in Ostdeutschland angestiegen, wobei Ostdeutschland mit fast der Hälfte der Befragten eine besonders skeptische Haltung einnimmt.
Unterschiede in Einstellungen und Erfahrungen
Trotz der leichten Eintrübung zeigt die Befragung, dass persönliche Erfahrungen mit Vielfalt in Bildung und Nachbarschaft weiterhin überwiegend positiv bleiben. Die Offenheit gegenüber kultureller Vielfalt nimmt zu, während nur ein Viertel der Befragten erwartet, dass Geflüchtete ihre kulturelle Lebensweise in Deutschland vollständig aufgeben sollten.
Umzugs- und Wanderungsabsichten
Die Befragung beleuchtet auch die Umzugs- und Wanderungsabsichten der Bevölkerung. Hier gibt es kaum Unterschiede zwischen Menschen mit und ohne Migrationshintergrund. Etwa 15 Prozent ziehen eine Auswanderung in Betracht, insbesondere in europäische Länder wie Spanien, Skandinavien oder die Schweiz. Personen mit geringerer Lebenszufriedenheit und solche, die sich benachteiligt fühlen, sind deutlich eher bereit, Deutschland zu verlassen.
Fazit
Das Integrationsklima in Deutschland bleibt dem Integrationsbarometer 2024 zufolge insgesamt stabil und positiv, doch die gestiegene Skepsis unter Menschen ohne Migrationshintergrund, insbesondere im Bildungs- und Nachbarschaftsbereich, könnte langfristig zu Herausforderungen führen. Politische und gesellschaftliche Maßnahmen, die interkulturelle Kontakte fördern und Bedenken abbauen, können entscheidend sein, um das Integrationsklima weiter zu stärken und gesellschaftliche Spaltungen zu vermeiden. Die repräsentativen Daten auf Bundes- und Länderebene sowie für verschiedene Herkunftsgruppen bieten wichtige Grundlagen für künftige Integrationsstrategien.
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- Sachverständigenrat für Integration und Migration
- Geographic area
- Deutschland
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- Akademiker und Experten
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